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BAIK mit Sitz in Wien – Interview mit Präsident DI Georg Pendl

Die Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten mit Sitz in Wien ist wie alle Kammern der Architekten in Österreich eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Welche Aufgaben nimmt sie wahr und was bedeutet es ganz konkret, Mitglied zu sein? Wir haben nachgefragt.

Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten in Wien

Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten (Foto: arching.at)

Die Kammern der Architekten und Ingenieurkonsulenten in Österreich sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Außerdem sind sie die gesetzlichen Berufsvertretungen der staatlich befugten und beeideten Architekt/innen und Ingenieurkonsulent/innen mit rund sechzig Befugnissen auf ingenieur- und naturwissenschaftlichen, montanistischen Fachgebieten und Fachgebieten der Bodenkultur. Im Gespräch mit dem Präsidenten der Bundeskammer der Architekten, DI Georg Pendl (http://www.pendlarchitects.at/). Der selbständige Architekt ist seit 1984 Mitglied der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten.

Präsident DI Georg Pendl

Präsident DI Georg Pendl (Foto: arching.at)

Herr Pendl, Seit wann gibt es die Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten und welches sind die wichtigsten Aufgaben?

Die Kammer wurde 1970 gegründet. In den Wirkungsbereich der Bundeskammer fallen jene Angelegenheiten, die die gemeinsamen beruflichen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder von zwei oder mehr Länderkammern berühren. Die wichtigsten Aufgaben der Bundeskammer sind:

  • Vertretung der Interessen der Berufe
  • Förderung von Baukultur zur Verbesserung der gesellschaftl. Rahmenbedingungen
  • Interessenvertretung international
  • Mitgliedschaft in internat. Verbänden wie EFCA (European Federation of Engineering Consultancy Associations) und ECEC (European Council of Engineers Chambers), GE (Geometer Europas) und CLGE (Council of European Geodetic Surveyors), ACE (Architects‘ Council of Europe), FIDIC (International Federation of Consulting Engineers), UIA (International Union of Architects)
  • Öffentlichkeitsarbeit

Wie viele Architekt/innen und Ingenieurkonsulent/innen sind der Bundeskammer angeschlossen und wie stark ist das Interesse an einer Mitgliedschaft in diesen Zeiten?

Derzeit ca. 8000 Mitglieder österreichweit (genau 8.013 mit Stand 1.1.2012). Als Mitglied der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten erhält man die staatliche Befugnis und das Recht den Bundesadler als Symbol zu verwenden. Dementsprechend ist das Interesse an einer Mitgliedschaft gleichbleibend hoch.


Fotos: www.arching.at, Animation: Mein-Bau.com

 

Was bedeutet es ganz konkret, als Architekt Mitglied der Architekt/innen und Ingenieurkonsulent/innen zu sein?

Mitglied der Kammer zu sein, bedeutet eine starke Berufsvertretung für ArchitektInnen und IngenieurkonsulentInnen zu haben, die es sich zum Ziel gesetzt hat u.a. die Baukultur in Österreich zu fördern und in der Öffentlichkeit mehr Bewusstsein für die Anliegen und Aufgaben der ZiviltechnikerInnen zu schaffen.

Die angeschlossenen Architekten treten auch für die Unabhängigkeit der Planung und damit die treuhänderische Beziehung zwischen Bauherrn und Architekten ein?

Die Kammer sowie deren Mitglieder stehen stark hinter dem Prinzip der Trennung von Planung und Ausführung!

Einen besonderen Stellenwert genießt auch der Bereich der Aus-und Weiterbildungen. Welche diesbezüglichen Angebote macht die Bundeskammer der Architkten und an wen richten sie sich?

Die Länderkammer für Wien, Niederösterreich und das Burgenland betreibt eine eigene, erfolgreiche Fortbildungsakademie für Mitglieder und Externe Personen. Bildungssysteme von Kammern sind aber oft bürokratische Systeme. Weiterbildung ist wichtig, darf aber nicht bürokratisch gehandhabt, erfasst werden, und darf auch nicht Mittel zur Aufbesserung der Budgets der Berufsvertretungen sein.

Der Baustandard in Österreich ist allgemein gesehen sehr hoch. Das liegt aber nicht generell an der Ausbildung. Auch eine hundertjährige Ausbildung ist keine Garantie für guten Baustandard. Es ist viel mehr die Frage wie stark die Baukultur eines Landes ausgeprägt ist. Mein Eindruck ist zum Beispiel, dass die nordischen Ländern Europas starke Bauqualität zeigen, diese aber unabhängig von der Regulierung des Berufszuganges ist.

Auch hochqualifizierter Nachwuchs für den Bereich Stadtplanung kommt aus den Reihen der Kammer?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Stadtplanung ist zwar Teil der Architektur-Ausbildung in Österreich, wird aber leider hierzulande als solche kaum betrieben. In Österreich gibt es eine Raumplanung, welche wenig konzeptive Ansprüche stellt und erfüllt, Stadtplanung erfolgt leider meist auf der Ebene von Bebauungsplänen ohne weiterreichend städtebauliche Konzepten. Diese Bebauungspläne werden im internationalen Vergleich eher vorangetrieben – so kommt es mir vor. Man kann hier also kaum von Stadtplanung sprechen.

Lobt die österreichische Bundeskammer der Architekten auch Architekturpreise aus? Welche gibt es und wer darf sich angesprochen fühlen, sich zu bewerben?

Die Kammer wirkt unterstützend bei der Auslobung des Staatspreis Architektur sowie anderer Material- und fachbezogener Preise mit und möchte damit alle Personen ansprechen, die sich der Qualitätsarchitektur verschrieben haben.

Inwieweit wirkt sich das Zusammenwachsen Europas auch auf den BDA aus?

Der Markt in Europa wirkt auf mich weiterhin sehr geschlossen. Vielleicht mit dem Unterschied, dass der österreichische Markt für die deutschen KollegInnen weit offener und „durchlässiger“ ist als umgekehrt – insbesondere, da es in Deutschland im Rahmen der öffentlichen Vergabe im Unterschwellenbereich keinerlei Regulierung gibt, öffentliche Direktaufträge also bis 210.000 Euro möglich sind. Anders ist es in Österreich, wo auch in diesem Bereich die grundsätzlich selben, transparenten Regelungen bestehen wie im Oberschwellenbereich. Das führt zu einem Ungleichgewicht und zu einem starken Druck der KollegInnen auf das österreichische Wettbewerbswesen.

Was wünschen Sie sich für die Bundeskammer der Architekten mittel- und langfristig in der Zukunft?

Dass die Berufsvertretung auch bei freiwilliger Mitgliedschaft mehr Mitglieder als heute hat.

- Das Interview führte Ursula Pidun -

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Verweise:

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