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Einbruchschutz – Interview mit Dr. Helmut Rieche, Vorsitzender der Initiative “Nicht bei mir!“

In Kooperation mit der Polizei haben die Verbände der Sicherheitswirtschaft im Frühjahr 2004 eine Aufklärungskampagne zum Schutz von Bürgern und Gewerbetreibenden vor Einbruch, Brand- und Gasgefahren gestartet. Wir haben nachgefragt.

Initiative "Nicht bei mir!"

Vorsitzender der Initiative Dr. Helmut Rieche, Polizeipräsident Werner Jantosch und Egon Stabenow, Vorsitzender des Fachausschusses Sachversicherung im GDV (v.r.n.l.) (Foto: Initiative "Nicht bei mir!")

Die produkt- und herstellerneutrale Initiative „Nicht bei mir!“ hat die Aufgabe, die Öffentlichkeit stärker für das Thema Einbruchschutz zu sensibilisieren und Wege aufzuzeigen, wie man sich besser vor Einbrüchen schützen kann. Zentrale Informationsplattform ist die Website der Initiative für aktiven Einbruchschutz: www.nicht-bei-mir.de. Hier finden Privatpersonen und Gewerbetreibende vielseitige Informationen, werden auf Gefahren für Wohn- oder Geschäftshäuser aufmerksam gemacht und bekommen Einblick in effektive Schutzmaßnahmen. Im Gespräch mit Dr. Helmut Rieche.

Der Experte ist seit 20 Jahren in leitender Funktion in der Sicherheitstechnik bei Dornier/EADS in Friedrichshafen tätig. Zudem engagiert er sich seit 25 Jahren ehrenamtlich bzw. als freier Mitarbeiter im Bereich Verbandsmarketing und Sicherheitstechnik und –systeme im Fachverband Sicherheitssysteme im ZVEI. Seit 2003 ist Dr. Helmut Rieche Vorsitzender der Initiative für aktiven Einbruchschutz „Nicht bei mir!“.

Dr. Helmut Rieche

Dr. Helmut Rieche (Foto: "Nicht bei mir!")

Herr Dr. Rieche, alle zwei Minuten passiert ein Einbruch. Hat sich die Zahl der Delikte damit verstärkt?

Die Anzahl der Einbrüche in Deutschland nimmt leider seit Jahren konstant zu. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasste für das Jahr 2011 bundesweit 132.595 Einbruchsdelikte. Dies entspricht gegenüber dem Jahr 2010 einer Steigerung von neun Prozent. Man muss jedoch dazu sagen, dass auch die Anzahl der gescheiterten Einbrüche steigt. Der Einsatz von richtiger Sicherheitstechnik verhinderte 2011 fast 40 Prozent der Einbrüche. 2003 betrug der Anteil an erfolglosen Einbrüchen noch 30 Prozent.

Wird die Gefahr eines Einbruchs unterschätzt?

Absolut. Viele Menschen glauben, es werde nur in teuren Häusern oder wohlhabenden Haushalten eingebrochen. Im Glauben bei ihnen gäbe es „nichts zu holen“, schützen sie sich nicht effektiv. Ein großer Irrtum! Denn Einbrecher wissen ja nicht, was sie erwartet, wollen aber auf keinen Fall mit leeren Händen gehen. Gerade die durchschnittlichen Haushalte werden von den Folgen eines Einbruchs schwer getroffen: Abgesehen von den psychischen Folgen sind sich viele Privathaushalte über die Werte ihrer alltäglichen Gegenstände gar nicht im Klaren.

Nicht selten stellt sich erst im Schadensfall eine Unterversicherung heraus. Ein weiterer Irrtum ist, dass nur bei Nacht eingebrochen wird. Fakt ist jedoch, dass 42 Prozent aller Einbrüche tagsüber zwischen 6 und 21 Uhr stattfinden. Wohnungen sind dabei genauso betroffen wie Einfamilienhäuser. Zum Großteil sind die Täter auch keine Profis sondern Amateur- und Gelegenheitsdiebe, die sich mit einfachem Werkzeug Zugang verschaffen. Es gibt aber auch Banden, die international arbeiten und hoch professionalisiert sind.

Wie hoch sind die Schäden zu beziffern, die allein in Deutschland durch Einbrüche verursacht werden?

Im letzten Jahr wurde der neue Rekordwert von durchschnittlich 3.050 Euro Schaden pro Einbruch ermittelt. Hinzu kommt die psychische Belastung, die durch das Eindringen in die Privatsphäre sowie der Aufwand mit der Schadensabwicklung, wenn das Eigentum nicht ausreichend geschützt war.

Welche neuen Lösungen zur Verbesserung des Einbruchschutzes in Haus, Wohnung und Büro gibt es inzwischen?

Je länger ein Einbrecher beim Einbruchsversuch braucht, desto eher wird er von seinem Vorhaben ablassen. Es geht also darum Hindernisse durch die richtige Sicherheitstechnik zu schaffen. Grundsätzlich unterscheiden wir dabei zwischen mechanischem und elektronischem Einbruchschutz. Um einen Einbruch zu erschweren, dient der mechanische Einbruchschutz zur Sicherung der Schwachstellen einer Wohnung, d.h. der Fenster und Türen. Hierbei kommen besondere Schlösser, Verriegelungen und verstärkte Scharniere zum Tragen.

Elektronischer Einbruchschutz umfasst zusätzliche Sicherungen durch z.B. Alarmanlagen mit Bewegungsmeldern. Ein deutlicher Trend im Bereich der elektronischen Sicherheit ist seit Jahren zu beobachten: Einbruchschutz, Brandschutz und sonstige Gefahren, wie Schutz gegen Wasser- und Gasaustritt werden zunehmend in einer Gefahrenwarnanlage zusammengefasst. Elektronische Sicherheitssysteme bieten daher einen Zugewinn an Sicherheit und Komfort.

Moderne Sicherheitstechnik ist noch immer sehr teuer. Ein Hinderungsgrund für den Einsatz?

Höchstmöglichsten Schutz bietet geprüfte und VdS-zertifizierte Technik, die fachmännisch geplant, eingebaut und gewartet wird. Das gibt es nicht kostenlos. Allerdings wiegen diese Maßnahmen die Kosten mehr als auf, wie Statistiken zeigen: 40 Prozent aller versuchten Einbrüche scheitern an professionellem Schutz! Einbrecher sind sehr angespannt und geben in der Regel ihr Vorhaben auf, wenn sie nicht innerhalb von wenigen Minuten in Haus oder Wohnung eindringen können. Und in über 50 Prozent der Fälle, in denen ein Einbruch durch einen Fernalarm der Alarmanlage, dem sogenanntem „stillen“ Alarm, gemeldet wurde, konnte der Täter auf frischer Tat ertappt werden. Die Investition in Sicherheit lohnt sich also.

Wie könnte Abhilfe geschaffen werden, damit Sicherheitstechnik bezahlbarer wird?

Der grundlegendste Schritt, der den ersten Schutz bietet und der kostenfrei gemacht werden kann, ist ein aufmerksames und sicherheitsbewusstes Verhalten. Dazu gehört u.a., Fenster beim Verlassen der Wohnung nicht gekippt offen zu lassen, die Wohnungstür immer komplett abzuschließen, Anwesenheit durch Licht zu signalisieren und vor dem Öffnen der Haustür bei unbekanntem Besuch den Türspion und die Gegensprechanlage zu nutzen. Auch Nachbarschaftshilfe trägt entscheidend dazu bei, Einbrüche zu verhindern. Aber nur in Verbindung mit der richtigen Sicherheitstechnik kann Einbrechern das Handwerk gelegt werden.

Für ein sicheres Zuhause und die richtige Sicherheitstechnik fallen natürlich Kosten an. Pauschal können zu den Kosten keine Aussagen getroffen werden. Die Höhe der Kosten hängt sowohl vom Sicherheitszustand der Wohnung oder des Hauses ab, als auch von den individuellen Wünschen der Bewohner. Das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit im eigenen Heim ist letztlich mit Geld nicht aufzuwiegen. Hier sollte nicht an der falschen Stelle gespart werden.


Fotos: ABUS; Animationen: Mein-Bau.com

Versicherungen sind an Prävention besonders interessiert. Welche Angebote und Maßnahmen kommen von dieser Seite für Verbraucher?

Schäden durch Einbruchdiebstahl in Privatwohnungen oder -häusern werden von der Hausratversicherung abgedeckt. Als Hausrat zählen nicht nur Möbelstücke, sondern alle Gegenstände, die in einem Haushalt zur Einrichtung, zum Gebrauch oder zum Verbrauch bestimmt sind, also Kleidung, Geschirr, Bücher usw. Wichtig ist, dass eine Versicherungssumme in ausreichender Höhe vereinbart wird. Die Versicherungssumme sollte ungefähr dem Wert des Hausrates entsprechen. Aber auch die Versicherungsexperten unserer Initiative für aktiven Einbruchschutz raten: Machen Sie es dem Einbrecher so schwer wie möglich, sorgen Sie mit Zusatzsicherungen vor.

Was raten Sie Verbrauchern, die sich künftig mehr um aktiven Sicherheitsschutz kümmern möchten?

Effektiver Schutz vor Einbrechern beginnt bei einfachen Verhaltensregeln: Türen abschließen, angekippte Fenster beim Verlassen der Wohnung schließen, Nachbarn bei längerer Abwesenheit informieren, um nur einige Beispiele zu nennen. Den wirkungsvollsten Schutz fürs Zuhause bietet aber die richtige Sicherheitstechnik. Sicherheitstechnik ist übrigens auch nachrüstbar. Im ersten Schritt sollten sich Verbraucher intensiv beraten lassen. Die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen und die Fachpartner unserer Initiative bieten kostenlose und kompetente Beratung zum Thema Sicherheitsschutz für das eigene Zuhause an.

Weitere Informationen zur richtigen Sicherheitstechnik finden Sie auf der Internetseite der Initiative für aktiven Einbruchschutz unter www.nicht-bei-mir.de. Aber auch die beste Technik bietet nur einen guten Einbruchschutz, wenn sie geprüft und fachgerecht montiert ist. Eine Übersicht über qualifizierte Sicherheitsfachfirmen bietet die Expertensuche der Initiative unter www.experten-gegen-einbruch.de.

Die Initiative für aktiven Einbruchschutz „Nicht bei mir!“ ist ein Zusammenschluss aller relevanten Verbände der Sicherheitsbranche und der Polizei. Was genau bietet die Initiative für Verbraucher?

Die Initiative „Nicht bei mir!“ bündelt das Wissen aller relevanten Verbände der Sicherheitsbranche sowie der Polizei. Die hersteller- und produktneutrale Aufklärungskampagne informiert über Lösungen zur Verbesserung des Einbruchschutzes in Haus, Wohnung und Gewerberäumen. Verbraucher können sich auf der Internetseite www.nicht-bei-mir.de umfassend über Sicherheitslücken, Schwachstellen und wirksame Vorsichtsmaßnahmen informieren. Unsere Plattform bietet neben Tipps und grundlegender Beratung auch eine kostenlose Expertendatenbank. Unter www.experten-gegen-einbruch.de finden Verbraucher schnell qualifizierte Sicherheitsexperten in ihrer unmittelbaren Nähe.

Was wünschen Sie sich für die Initiative mittel- und langfristig?

Einbrüche bleiben weiterhin ein großes Thema. Die Zahl der Delikte steigt stetig. Aber unsere Initiative kann hier langfristig Aufklärung leisten und den Bürgerinnen und Bürgern Anregungen für einen effektiveren Einbruchschutz geben. Viele Leute erkennen die Notwendigkeit für aktiven Einbruchschutz erst, wenn es bereits zu spät ist. Durch den Einbau von geeigneten Schutzmaßnahmen lässt sich viel materieller wie psychologischer Schaden vermeiden. Das Ziel der Initiative ist es, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass jeder etwas für seine eigene Sicherheit und Lebensqualität tun kann. Besser ist es vorzusorgen, um sich später keine Sorgen machen zu müssen.

- Das Interview führte Ursula Pidun -

  • Weitere Infos sowie eine Übersicht über qualifizierte Sicherheitsfirmen bietet die Expertensuche der Initiative unter www.experten-gegen-einbruch.de. Hier finden Interessenten schnell den geeigneten Sicherheitsexperten in der Nähe. In einer übersichtlichen Datenbank sind Unternehmen der Sicherheitsbranche und Spezialisten in ganz Deutschland aufgeführt, die individuell rund um den Einbruchschutz beraten.

 
Schutz vor Einbruch:

Verweise:

Mehr Sicherheit für das Haus
Einbruch – Wertsachen vor Dieben schützen
Hausbesitzer – Urlaubstipps bei Abwesenheit
Sonnenschutz als idealer Einbruchschutz

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