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Sorgenfrei in den Winter

Hält das Dach etwaigen Schneemassen stand? Kann Wasser ungehindert durch die Dachrinnen abfließen – und ist die Heizung technisch auf aktuellstem Stand? Die kalte Jahreszeit bereitet vielen Hausbesitzern und Eigentümern Kopfzerbrechen. Was wirklich zu machen ist: „Haus & Grund“ hat bei Experten nachgefragt.

schneebedecktes Haus

Es ist eine Frage, die sich jeder Hausbesitzer im Zuge eines schneereichen Winters schon einmal gestellt hat: Hält mein Dach den Schneemassen stand? Eine nicht unbegründete Sorge – vor allem mit Blick auf die Größenordnung der Belastung. „Richtig drückend wird das Gewicht dann, wenn der Schnee nass und schwer wird und über längere Zeit liegen bleibt“, erklärt Ziviltechniker DI Dr. Anton Pech. Beispiele? Zehn Zentimeter frisch gefallener Pulverschnee verursachen eine Last von zehn Kilogramm pro Quadratmeter. Bei zehn Zentimetern Nassschnee drücken bereits 40 Kilogramm pro Quadratmeter auf das Dach, kommt eine zehn Zentimeter dicke Eisschicht hinzu, sind es sogar rund 90 Kilogramm pro Quadratmeter. So können vor allem für Flachdächer Schnee, Eis und Wassermengen zu einem realen Bedrohungsszenario werden. „Ein gewisses Gefahrenpotenzial lässt sich im Fall von heftigen Niederschlagsmengen nie ausschalten, jedoch wird durch die Anwendung der ÖNORM bei der Errichtung von Dachkonstruktionen das Risiko minimiert und das Gefahrenpotenzial berechenbar“, erklärt Pech.

Kompliziertes Bestimmungsverfahren

Das heißt konkret: Die wichtigsten Faktoren für die Bestimmung der Schneelast, der ein Dach in der Praxis ausgesetzt sein kann, sind die lokale Klimazone und die topografische Höhe. Aufgrund der Niederschlagsmenge, die auf Basis langjähriger Messungen von meteorologischen Daten erfolgt, wurde Österreich in vier Lastzonen eingeteilt. Diese gelten nur für Orte bis 1500 Metern Seehöhe – und haben ganz gravierende regionale Auswirkungen. So muss beispielsweise ein Haus- oder Hallendach in Wien-Simmering für eine Schneelast von 84 Kilogramm pro Quadratmeter konzeptioniert sein, die Dachkonstruktion in St. Christoph am Arlberg muss hingegen bis zu 1080 Kilogramm pro Quadratmeter stemmen können.

„Steile Dächer ohne Schneenasen oder Schneerechen, die eine Neigung von mehr als 60 Grad aufweisen, sind von dem Problem nicht betroffen, da der Schnee hier abrutschen kann. Bei starkem Schneefall empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle der Schneehöhen, so ist man stets auf der sicheren Seite“, so Pech, der zugleich auf einen weiteren Tipp verweist: „Wer das Tragegewicht seines Dachs kennt und wissen möchte, ob die Schneelast bereits am Limit schrammt, der sticht am besten ein Stück des Schnees aus, wiegt es ab und rechnet das Gewicht auf die Dachfläche des Hauses hoch.“ Der Experte beruhigt aber zugleich: Dass ein Dach nur aufgrund von zu schwerer Schneelast einstürzt, ist selten. Allerdings kann es zu einer Verkettung unglücklicher Umstände kommen – etwa durch die Wahl der falschen Lastzone bei der Berechnung der Schneelasten in Kombination mit Fehlern bei der Baustoffauswahl, mangelnder Bauausführung sowie unzureichender Wartung. Da auch andere äußere Ereignisse – etwa Sturmschäden – dem Dach Schäden zugefügt haben könnten, wird empfohlen, das Dach ab einem gewissen Alter von einem Fachmann in Augenschein nehmen zu lassen.

Vorsicht vor Frost

Die Inspektion des Daches steht beim Winter-Check daher an erster, nicht aber an einziger Stelle. Nicht minder wichtig sind die Dachrinnen, die nicht selten mit Laub verstopft sein können. Vor allem bei Starkregen blockieren diese Blätter den Wasserfluss in die Fallrohre – mit der Konsequenz, dass sich das Wasser andere Wege sucht und dabei Frostschäden an der Fassade oder am Dach
verursachen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Wasser bei allen Leitungen, die gefrieren könnten, entleeren und abdrehen. Andernfalls droht die Kälte vor allem bei Leitungen aus Metall bis ins Haus hineingeleitet zu werden – und so sogar noch Leitungen im Haus gefrieren zu lassen.

Damit Fenster- und Türdichtungen nicht porös werden und weiterhin wasser- und winddicht schließen, empfiehlt es sich, diese regelmäßig zu überprüfen und eventuell einzufetten.

Energiefresser Heizung

Die größten „Fehler“ passieren aber nicht bei den alljährlichen Vorbereitungen, sondern da, wo es unbemerkt richtig teuer werden kann: Beim Heizen. Allzu oft werde die jährliche Wartung der Heizungsanlage vernachlässigt – oder aber mit den Aufgaben des Kaminkehrers verwechselt, weiß Gerd Loacker, Geschäftsführer beim DorfInstallateur in Götzis. „Bei der Kontrolle durch den Schornsteinfeger wird gemessen, ob die Anlage die Emissions-Grenzwerte einhält. Bei der Heizungswartung geht es aber auch um die Energieausnutzung und die Funktion der Anlage“, verdeutlicht Loacker. So verbrauche ein über längere Zeit vernachlässigter Heizkessel bis zu 10 Prozent mehr Energie. „Eine jährliche Inspektion vom Fachmann – möglichst vor Beginn der Heizsaison – macht daher Sinn“, betont er. Und trotzdem: Jeder Heizungsbetreiber könne wichtige Wartungsarbeiten auch selbst durchführen. Was und wie genau? Der DorfInstallateur-Chef gibt fünf konkrete Tipps:

Gerd Loacker, GF Dorfinstallateur

Gerd Loacker, GF Dorfinstallateur

1. Wasserdruck prüfen

Der richtige Wasserdruck ist über eine grüne Kennzeichnung am Druckmessgerät ersichtlich. Bei zu niedrigem Wasserdruck gilt: Schlauch am Füll- und Entleerungshahn anschließen und Wasser nachfüllen.

2. Heizung entlüften

Der Heizkörper gluckert oder wird im höheren Bereich nicht richtig warm? Gut möglich, dass Luft in der Heizung ist und so die richtige Verteilung des Wassers verhindert wird. Sofern der Wasserdruck der Heizung stimmt, kann die Entlüftung der Heizkörper durchaus selbst durchgeführt werden. Wie? Heizung ausschalten, Entlüftungsventil der Heizung mit einem Entlüftungsschlüssel
aufdrehen und das möglicherweise entweichende Wasser mit einer kleinen Schüssel auffangen. Sobald die Luft vollständig entwichen ist, kann das Ventil wieder zugedreht werden. Wichtig: Wasserdruck vor und nach dem Entlüften prüfen!

3. Thermostatventile prüfen

Die Heizkörper werden auch nach dem Entlüften nicht richtig warm? Jetzt ist es an der Zeit, die Thermostatventile zu prüfen. Wenn die Ventile bei laufender Heizung zugedreht werden, sollte der Heizkörper vollständig kalt bleiben. Werden die Ventile hingegen aufgedreht, müsste sich der Heizkörper gleichmäßig erwärmen. Ist das nicht der Fall, liegt das Problem mitunter am Ventilstift. In diesem Fall sollte der Thermostatkopf abgenommen und überprüft werden. Mit einer kleinen Zange kann der Ventilstift durch leichtes Anklopfen wieder gelockert werden.

4. Heizungsregelung überprüfen

Die häufigsten Fehler bzw. Probleme beim Heizen

  • Fehlende Heizungswartung durch den Fachmann
  • Räume werden tendenziell „überheizt“
  • Ständig gekippte Fenster
  • Veraltete Umwälzpumpe
  • Veraltete Heizungsregler
  • Heizungsanlage sollte im Sommer deaktiviert werden

Ist die Heizungsregelung (24-Stunden-Intervall) richtig eingestellt? Auch das gilt es zu überprüfen. Die Vorlauftemperatur sollte nicht zu hoch eingestellt und vom Fachmann der ausgelegten Heizkurve angepasst sein. Tipp: Kühlere Räume in der Nacht sparen Geld. Bei Wärmepumpenanlagen ist eine Absenkung in der Nacht mit dem Fachmann abzuklären.

5. Heizungspumpe (Umwälzpumpe) überprüfen

Nach dem Einschalten der Heizungsanlage sollte die Funktion der Umwälzpumpe gecheckt werden. Ist ein Fließgeräusch hörbar, ist gewährleistet, dass die Heizungspumpe Wasser befördert. Wenn nicht: Heizungsfachmann beiziehen.

Abseits dieser Tipps zur Heizungswartung: Für das persönliche Wohlbefinden gleichermaßen wie für den Erhalt der Bausubstanz ist das richtige Lüften im Winter unerlässlich, erklärt Loacker.
Wie genau? Der Experte klärt auf:

  • Schlafräume morgens und abends zirka zehn Minuten stoßlüften
  • Räume, die auch tagsüber benützt werden, sollten zumindest drei Mal täglich stoßgelüftet werden.
  • Die Küche jeweils nach dem Kochengut lüften
  • Gekippte Fenster vermeiden

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Dieser Artikel wurde ursprünglich in der Fachzeitschrift der Vorarlberger Eigentümervereinigung “Haus & Grund” Nr. 06, November – Dezember 2014 veröffentlicht. Die Veröffentlichung in unserem Medium erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Vorarlberger Eigentümervereinigung.

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