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Bausparvertrag: Sinnvolle Möglichkeit der Baufinanzierung?

Ein Bausparvertrag galt lange Zeit als optimale Möglichkeit zu sparen und dann mit einem zinsgünstigen Kredit das Eigenheim zu finanzieren. Es stellt sich die Frage, für wen sich das Bausparen in der Niedrigzinsphase noch lohnt.

Lohnt sich das Bausparen in der Niedrigzinsphase noch?

Lohnt sich das Bausparen in der Niedrigzinsphase noch? (Bild: halfpoint/clipdealer)

Welche Möglichkeiten bietet ein Bausparvertrag?

In den 1960er und 1970er Jahren war das Bausparen sehr beliebt, denn es verbindet einen Sparplan mit der anschließenden Möglichkeit, ein besonders zinsgünstiges Darlehen für die Finanzierung eines Hauses oder einer Eigentumswohnung zu erhalten. Außerdem bezuschussen der Staat und der Arbeitgeber den Bausparvertrag, sodass man mit geringerem eigenen Kapitaleinsatz eine stattliche Summe zusammensparen kann. Bausparer profitierten in Zeiten, in denen die Hypothekenzinsen relativ hoch waren, ganz besonders von den niedrigen Zinsen der Bauspar-Hypotheken.

Zwischenzeitlich erlebte das Bausparen eine Flaute, denn es galt als wenig zeitgemäß und vor allem junge Leute suchten nach anderen Möglichkeiten der Baufinanzierung. Mittlerweile rücken Bausparverträge wieder vermehrt in den Fokus. Bausparer verfolgen vor allem die Intention, sich die derzeit günstigen Zinsen für die Realisierung eines Bauvorhabens in der Zukunft oder die Finanzierung einer Immobilie zu sichern.

Wie funktioniert die Baufinanzierung mit einem Bausparvertrag?

Wer eine Immobilie mit einem Bausparvertrag finanzieren möchte, zahlt zunächst in der Ansparphase monatlich eine feste Summe ein. Danach muss eine Zeit lang auf die Zuteilung gewartet werden, bevor man in der Darlehensphase die Immobilie mit einem besonders günstigen Darlehen finanzieren kann. Die angesparte Bausparsumme fungiert gleichzeitig als Eigenkapital. Mit einem derartigen Vertrag wird jedoch selten die gesamte Summe finanziert. Üblicherweise bieten Bausparverträge die Möglichkeit, zwischen 20 und maximal 50 Prozent zu finanzieren. Das Annuitätendarlehen bildet meist die Hauptkomponente der Baufinanzierung.

Ansparphase: niedrige Zinsen plus Zuschüsse

Den Bausparvertrag als reinen Sparvertrag zu nutzen, ist wenig attraktiv, denn es werden derzeit lediglich Zinsen zwischen 0,1 und 0,5 Prozent auf das angesparte Guthaben gezahlt. Guthabenzinsen von über drei Prozent und großzügige Prämien, über die sich Bausparer in der Vergangenheit freuen durften, werden bei keinem Anbieter realisiert.

Darlehensphase: Niedrige Hypothekenzinsen für die Zukunft sichern

Wer die Ansparsumme tatsächlich nutzen möchte, um ein Haus ober eine Wohnung zu kaufen, kann jedoch von einem Bausparvertrag profitieren. Mit dem Abschluss des Vertrages sichert sich der Bausparer für die Zeit nach der Zuteilung die sehr günstigen Hypothekenzinsen. Das ist besonders deswegen interessant, weil davon auszugehen ist, dass die Niedrigzinsphase sich aktuell dem Ende nähert. Sparer, die erst in einigen Jahren bauen oder ein Haus kaufen möchten, können auf diese Weise die Niedrigzinsphase für ihr Bauvorhaben verlängern und damit eine höhere Planungssicherheit für das eigene Projekt erreichen.

Wann kann man das günstige Bauspardarlehen nutzen?

Das Darlehen kann erst genutzt werden, wenn der Bausparvertrag zuteilungsreif ist. Damit die Zuteilungsreife erreicht wird, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein:

” Mindestdauer für die Ansparzeit
” Mindestansparsumme (30 bis 50 Prozent)
” Bewertungszahl erreicht bestimmten Wert

Wie wird die geforderte Bewertungszahl erreicht?

Die Bausparkassen definieren, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit ein Vertrag als zuteilungsreif eingestuft wird. Um die Mindestbewertungszahl nachzuvollziehen, sollten die Kunden einen Blick in die Geschäftsbedingungen der Bank werfen. Hier wird die Methode der Bewertungszahlberechnung erläutert. Im Internet kann man sich über die Mindestbewertungszahlen der Bausparkassen informieren.

Selbst wenn die Mindestansparsumme erreicht wurde, kann es also vorkommen, dass die Bausparkasse noch keine Zuteilung ermöglicht, weil die Bewertungszahlberechnung einen zu niedrigen Wert ergibt. Für die Bausparkassen ist dies eine Möglichkeit, die Ansparzeit zu verlängern.

Nachdem die Bausparkasse dann die Zuteilungsreife festgestellt hat, muss weitere drei bis neun Monate gewartet werden, bevor das Bauspardarlehen genutzt werden kann.

Bausparen minimiert das Risiko steigender Zinsen

Je länger die Niedrigzinsphase dauert, desto mehr wachsen die Befürchtungen, dass die Hypothekenzinsen in Zukunft wieder stark ansteigen könnten. Will man also erst in acht bis zehn Jahren bauen oder kaufen, ist es sinnvoll, sich über Möglichkeiten zu informieren, die niedrigen Zinsen zu sichern. Bausparverträge sind eine Option, jetzt die Zinsen der Zukunft vertraglich zu fixieren und auf diese Weise die Planungsgrundlagen für den Immobilienerwerb auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Wann muss das Darlehen abgerufen werden?

Zuteilungsreife bedeutet nicht, dass das Darlehen sofort abgerufen werden muss. Die Ansparphase kann auch fortgeführt werden, bis die Bausparsumme zu 100 Prozent erreicht ist. Allerdings verliert der Bausparvertrag seinen Sinn, wenn die vollen 100 Prozent angespart wurden, denn dann ist kein Darlehen mehr erforderlich.

Vorteile eines Bausparvertrags

Generell sind Bausparverträge nur dann empfehlenswert, wenn tatsächlich eine Immobilienfinanzierung erfolgen soll. In diesem Fall realisieren Sparer folgende Vorteile:

” Anspardauer ist vorhersehbar und planbar
” Kreditzusage impliziert
” Hypothekenzins und Höhe der Rate genau berechenbar
” Zinsen bis zur Tilgung festgeschrieben
” Möglichkeit der staatlichen Förderung (Wohn-Riester)

Welche staatlichen Zuschüsse machen Bausparverträge interessant?

Bausparverträge zeichnen sich außerdem durch eine hohe Flexibilität aus. Es ist beispielsweise bei entsprechender Vertragsgestaltung möglich, das Darlehen sofort zu nutzen und die Ansparphase danach zu absolvieren. Des Weiteren bietet die sogenannte Riester-Förderung die Möglichkeit, gegenüber nicht geförderten Verträgen bis zu 50.000 Euro zu sparen.

Wohn-Riester (auch als Eigenheimrente bezeichnet) eröffnet attraktive Fördermöglichkeiten. Sparer, die mindestens vier Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens (maximal 2.100 Euro) sparen, erhalten die volle Förderung:

” jährliche Grundzulage von 154 Euro
” jährliche Zulage pro Kind von maximal 300 Euro
” einmalige Zulage von 200 Euro für Bausparer unter 25 Jahren
” Steuervorteile durch Geltendmachung der Beiträge in der Steuererklärung
Die staatliche Förderung wird jedoch erfasst (Wohnförderkonto) und muss mit Eintritt ins Rentenalter nachträglich bis zur Vollendung des 85. Lebensjahres versteuert werden. Zahlen Rentner die Steuerlast in einem Betrag, wird diese um 30 Prozent reduziert.

Welche sonstigen Fördermöglichkeiten gibt es für Bausparverträge?

Der Staat begünstigt finanzielle Förderungen (vermögenswirksame Leistungen) für Angestellte, deren Einkommen bestimmte Grenzen nicht überschreitet. Diese Grenzen variieren im Hinblick auf die gewählte Sparform und liegen für Singles zwischen 17.900 und 20.000 Euro Bruttoeinkommen im Jahr. Für Ehepaare verdoppeln sich diese Werte. Die Arbeitgeber zahlen die Arbeitnehmersparzulage von maximal 40 Euro im Monat freiwillig. Bedingung ist der Abschluss eines entsprechenden Sparvertrages, der eine Laufzeit von sieben Jahren hat und sechs Jahre bespart werden muss. Singles erhalten zwischen 43 und 123 Euro pro Jahr als Zulage und Verheiratete maximal 246 Euro zusätzliche staatliche Förderung.

Eine zweite Fördermöglichkeit ist die Wohnungsbauprämie, auf die jeder Anspruch hat, der steuerpflichtig, mindestens 16 Jahre alt ist und für den Erwerb einer Immobilie spart. Die Einkommensgrenzen liegen bei 25.600 bzw. 51.200 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen. Wird ein höheres Einkommen erreicht, erlischt der Anspruch auf staatliche Förderung, die bei Ehepaaren maximal 90 Euro pro Jahr beträgt und in den Bausparvertrag eingebracht werden kann.

Für welche Vorhaben kann das Bauspardarlehen genutzt werden?

Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr flexibel und umfassen auch Modernisierungsvorhaben oder den altersgerechten Umbau einer Immobilie. Darüber hinaus kann das Hypothekendarlehen für eine Umschuldung verwendet werden.

Das Hypothekendarlehen kann für eine Umschuldung verwendet werden.

Das Hypothekendarlehen kann für eine Umschuldung verwendet werden. (Bild: paylessimages/clipdealer.de)

In welchen Fällen lohnt sich ein Bausparvertrag?

Bausparverträge bieten eine Möglichkeit, die niedrigen Hypothekenzinsen für die Zukunft zu sichern. Unter der Annahme, dass zumindest mittelfristig mit erheblichen Zinssteigerungen zu rechnen ist, ist es sinnvoll, diese Sparform als ein Element der Baufinanzierung zu berücksichtigen, auch wenn die Verzinsung des angesparten Guthabens sehr niedrig ist.

Wer allerdings schnell Eigenkapital bilden will und dabei auf eine möglichst hohe Verzinsung achtet, sollte sich über andere Varianten des Sparens informieren. Das gilt auch für Sparer, die sich noch nicht sicher sind, ob sie das Kapital für eine Immobilienfinanzierung einsetzen möchten. Als reiner Sparplan ist ein Bausparvertrag sicherlich nicht empfehlenswert, denn dafür ist die Verzinsung zu gering. Außerdem fallen bei Abschluss von Bausparverträgen Gebühren an, welche die Verzinsung nochmals reduzieren.

Eine optimale Entscheidung treffen

Vor dem Abschluss eines konkreten Vertrages sollte der Vergleich der Angebote verschiedener Bausparkassen stehen, da diese sich teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Der Vergleich der Bauspartarife sollte sich am Mindestansparteil, dem Zinssatz für das Hypothekendarlehen, dem Guthabenzins, Boni oder Prämien und der Darlehenslaufzeit orientieren. Mögliche Sondertilgungen und das Einbeziehen von Kosten und Gebühren sind weitere Kriterien, anhand derer Bausparverträge beurteilt werden können.

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Autor: Veröffentlichung durch Stefan Oberhauser
Veröffentlicht in: Finanzierung
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