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Insekten und Vögel sterben durch englischen Rasen

In vielen Gärten hat er sich breitgemacht: Der englische Rasen gehört inzwischen zum üblichen Gartenbild dazu. Doch wirklich ideal ist er nicht, dämmt er doch die Artenvielfalt stark ein. Bis zu 80 Prozent der Insekten sterben nach der entsprechenden Mahd.

Mährobter auf einem englischen Rasen

Ein englischer Rasen fördert Schädlinge (Bild: pexels / pixabay.com)

Englischer Rasen tötet Insekten

Naturschützer fordern schon lange eine Abkehr vom englischen Rasen aufgrund des beobachteten Insektensterbens. Sie hoffen, dass ihre Appelle endlich Wirkung zeigen und dass auch die Politiker aufwachen. Diese sollen eine Pestizidabgabe einführen und sich für mehr Artenschutz einsetzen.

Doch Maßnahmen zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt sollten bereits im Kleinen beginnen und hier im heimischen Garten. Dort ist der englische Rasen zum Massenphänomen geworden, das mit allen Mitteln gepflegt wird. Diese Mittel sind aber nicht wirklich umweltverträglich und sorgen dafür, dass die Artenvielfalt der jeweiligen Region immer geringer wird.

Gefordert werden blühende Wiesen statt kurzgemähter Rasen, außerdem ist es wichtig, die Gartenbesitzer über die Folgen ihres Tuns aufzuklären. Noch immer wissen viele nicht, wie sehr sie die Natur beeinflussen, indem sie überall alles abmähen, was nicht dem Ideal des englischen Rasens entspricht. Dabei ist eines klar: Insekten brauchen pflanzliche Vielfalt und keine toten Rasenflächen.

Forscher haben herausgefunden, dass mit jedem Mähvorgang bis zu 80 Prozent der Insekten getötet werden, was vor allem auf die großen Insekten wie Heuschrecken, Raupen und Grashüpfer zutrifft. Von Artenvielfalt kann nun keine Rede mehr sein, denn eine Mahd überleben nur die Insekten, die sich bodennah befinden und vor den Messern der Mäher geschützt sind.

Andere Tierchen werden mit den Grashaufen entsorgt und verenden dort, da sie keine Chance mehr haben, aus dem Haufen wieder zu entkommen. Zurück bleibt das grüne Gras, das weder blüht und damit eine Nahrungsquelle für Fluginsekten darstellt, noch hoch genug ist, um sich darin zu verstecken.

Englischer Rasen tötet Vögel

Hat der Mäher den erträumten englischen Rasen erzeugt und damit die Insekten vernichtet, hat das weitere Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt. Es konnte festgestellt werden, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Sterben der Insekten und dem Rückgang der Singvögel in den Gärten gibt. Letztere sind in der gleichen Zeit gestorben wie die Insekten, ihre Hauptnahrungsquelle.

In den vergangenen Jahren bis Jahrzehnten verringerte sich die Anzahl der Vögel ständig, denn sie sind bei der Fütterung ihrer Jungen auf proteinreiche Insekten angewiesen. Ein sehr gutes Beispiel ist der früher allgegenwärtige Spatz.

Er braucht Würmer, Käfer und anderes Krabbelgetier, um seine Jungen aufzuziehen. Stattdessen pickt er in der Stadt Brotkrümel, Kuchenreste und alles andere, was auf der Straße liegt, auf und füttert seine Jungen damit. Diese entwickeln sich nicht ausreichend, erleiden Futtermängel und sterben frühzeitig – oft sogar schon im Nest, noch ehe sie fliegen und selbstständig auf Nahrungssuche gehen können. Auch auf dem Land hat die Anzahl der Spatzen deutlich abgenommen, denn die englischen Rasen sind auch dort weit verbreitet.

Damit bleibt festzuhalten, dass ein englischer Rasen nicht nur die Insekten tötet, die sich während der Mahd unmittelbar auf dem Gras befunden haben, sondern über das Töten der Insekten werden auch Vögel getötet. Dass viele Menschen viel Geld für Körner- und Fettfutter im Winter ausgeben, um die Piepmätze gut durch die kalte Jahreszeit zu bringen, hilft nicht viel, wenn die Tiere im Sommer ihre Brut nicht richtig ernähren können. Auch die schicken Insektenhotels, die sich vielerorts befinden, nützen wenig, wenn es keine Blühpflanzen als Nahrungsquelle für die Tierchen gibt.

Die besten Maßnahmen für mehr Artenvielfalt im Garten

Wer einen Garten anlegt, möchte sich dort auch wohlfühlen. Es spricht aber nichts dagegen, dass sich auch kleine Tierchen wohlfühlen dürfen! Es gilt also, Möglichkeiten zu schaffen, mit denen alle leben können. Der englische Rasen ist dabei ein Ideal, das am besten aus den Köpfen der Grundstücksbesitzer gestrichen wird.

Wer dennoch nicht darauf verzichten kann, sollte wenigstens einen Teil des Gartens sich selbst überlassen, eine Blüh- und Schmetterlingswiese entstehen lassen und möglichst viele Sträucher und Stauden für Insekten pflanzen. Und: Dieser Teil des Gartens wird freilich nicht gemäht, denn er dient einzig als Unterkunft für Krabbeltierchen.

Auch die folgenden Maßnahmen können dazu beitragen, die Artenvielfalt im Garten zu verbessern:

  • Trockenmauern und Totholzhecken für Eidechsen, Igel und andere Tiere anlegen
  • kleinen Gartenteich integrieren
  • Blühwiese anlegen
  • Gras nicht zu kurz und nicht zu häufig mähen
  • auf Pflanzen setzen, die mit Trockenheit klarkommen

Wichtig ist es zudem, auf Mähroboter besser zu verzichten. Diese arbeiten meist nachts oder in der Dämmerung und damit genau in der Zeit, in der die Igel aktiv sind. Igelauffangstationen und Tierärzte beklagen schon lange die Zunahme an verstümmelten Igeln, bei denen meist nur noch das Einschläfern vorgenommen werden kann. Mähroboter mähen deren Pfoten und Gesichter weg, da die Stacheltiere nicht weglaufen, sondern sich einfach bei Gefahr zusammenrollen.

Wer nun meint, dass er lieber nicht den Rasen mähen sollte, liegt zwar richtig. Doch so radikal braucht auch nicht vorgegangen zu werden. Allerdings ist ein normaler Rasenmäher weitaus tierfreundlicher. Alternativ können zu hoch gewachsene Wiesen auch mit der Sense gemäht werden, was nebenbei ein prima Work-out ist!

Englischer Rasen fördert Schädlinge

Nicht nur, dass der englische Rasen Nützlinge verschwinden lässt, fördert er auch noch Schädlinge. Dies verwundert nicht, denn immerhin werden ihre Fressfeinde durch das dauernde Mähen kontinuierlich reduziert. Vor allem Spinnen und Ameisen bleiben übrig, wobei vor allem Letztere kaum erwünscht sein dürften.

Auf einer Wiese, die nahezu naturbelassen ist und die Größe eines Basketballfeldes hat, leben natürlicherweise rund 60.000 Insekten, auf einem kurz geschorenen englischen Rasen hingegen ist es nur noch ein Bruchteil. Besonders Wildblumenwiesen zeichnen sich durch ihre Artenvielfalt aus und sehen darüber hinaus noch wunderschön aus.

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Autor: Veröffentlichung durch Stefan Oberhauser
Veröffentlicht in: Garten
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