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Biophile Architektur bringt Haus und Natur zusammen

Haben Sie schon einmal von der biophilen Architektur gehört? Sie setzt auf die Verwendung von viel Grün und holt die Natur ins Haus. Das Ziel: mehr Wohngesundheit durch Pflanzen, natürliche Materialien und jede Menge Tageslicht. Schon mit einfachen Mitteln können die entsprechenden Vorhaben umgesetzt werden.

Der Trend zur biophilen Architektur setzt auf Wohngesundheit und nutzt dabei viel Grün. (Bild: Laci_10 / clipdealer.de)

Naturnahes Wohnen als Trend unserer Zeit

Jede (Bau-)Zeit hat ihren Trend. Der aktuelle liegt in einem naturnahen Bauen und Wohnen. Damit ist nicht nur gemeint, mit Naturmaterialien bauen zu wollen, sondern es geht generell um viel Grün und um die Integration der Natur. Dies ist Ausdruck der Tatsache, dass sich viele Menschen nach der Natur sehnen und dass sie sich ein natürliches Wohnumfeld wünschen. Aber was bedeutet „biophile Architektur“ nun genau?

Integration der Natur

Der Wortbestandteil „bio“ stammt vom griechischen Wort für „Leben“, der Teil „phil“ kommt von „philia“ und heißt so viel wie „Liebe“. Damit steht die Bezeichnung für die „Liebe für das Lebende“. Natur und menschliches Wohlbefinden werden clever miteinander verbunden, denn diese Variante der Architektur holt die Natur ins Haus.

Alles beginnt bei der Planung, bei der die Beziehung zwischen dem Menschen und der ihn umgebenden Natur genauer unter die Lupe genommen und einbezogen wird. Die Natur wird als Ausgleich zum stressigen Alltag gesehen, insofern soll das grüne Bauen einen Wohlfühlort in der hektischen Zeit schaffen. Neu ist diese Idee nicht, doch sie wird aktuell wieder neu gelebt. Wichtige Bestandteile der biophilen Architektur sind die folgenden:

Integration von Pflanzen:

Grüne Wände, hausinterne Kräutergärten, begrünte Balkone und Terrassen, Gründächer – die Integration von Pflanzen verschiedener Art soll eine entspannte Atmosphäre schaffen und sorgt dafür, dass mehr Sauerstoff produziert wird. Diese grüne Architektur trägt somit zur Luftverbesserung bei.

Nutzung von Tageslicht:

Nur allzu häufig wird die gewünschte Helligkeit mithilfe von künstlichem Licht erreicht. Viel gesünder und angenehmer ist es jedoch, auf Tageslicht zu setzen und dieses so umfassend wie möglich in das Haus zu lassen. Über Spiegel ist es sogar noch möglich, das einfallende Licht zu reflektieren und damit für mehr Helligkeit zu sorgen.

Natürliche Materialien:

Holz und Naturstein, Lehm, Ton und andere Stoffe aus der Natur werden zum Hausbau verwendet. Eine Dämmung mit Kunststoff gibt es nicht, stattdessen wird auf dicke Mauern gesetzt, was ebenso effektiv, aber deutlich umweltschonender ist. Holz sollte aus nachhaltigem Anbau stammen, um dem Anspruch an das grüne Bauen gerecht zu werden.

Die Verwendung dieser Bestandteile sorgt dafür, dass das Wohnen gesund wird und dass der Eindruck entsteht, in der Natur zu wohnen. Unterstützt wird das durch die Verwendung natürlicher Formen: Es gibt keine harten Kanten oder Ecken, sondern die Architektur setzt auf geschwungene und organische Formen, die an die in der Natur erinnern. Neben diesen visuellen Verbindungen zur Natur gibt es auch etwas subtilere Möglichkeiten, um mit der Außenwelt verbunden zu bleiben. Fenster, die in den Garten oder zu einer offenen Fläche zeigen, sowie das Anlegen von Dachgärten sind weitere Möglichkeiten, mit denen sich eine Verbindung schaffen lässt.

Die Vorteile biophiler Architektur

In erster Linie besteht das Ziel darin, sich die Natur ins Haus holen zu können. Ein Stück vom Grün ist für viele Eigenheimbesitzer ein Stück vom Glück: Durch die Integration der natürlichen Bestandteile soll Stress reduziert und die Entspannung gefördert werden. Gleichzeitig soll die Kreativität wachsen und sich die Gesundheit verbessern. Denn eines ist längst bekannt: Viele Wohngifte zeigen sich mit schleichenden Auswirkungen. Diese gilt es zu verhindern, was über das natürliche Bauen möglich ist. Eine verbesserte Luftqualität, die Reduzierung von Stress sowie das Schaffen einer Umgebung zum Wohlfühlen trägt aktiv zur Gesundheit der Hausbewohner bei. Daneben gibt es weitere Vorteile wie:

  • Verringerung der Lärmbelastung durch grüne Wände
  • Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten
  • Förderung des psychischen und physischen Wohlbefindens
  • Steigerung der Leistungsfähigkeit

Grünes Bauen schon bei der Planung berücksichtigen

Sicher, ein Flachdach kann auch später noch begrünt werden, wenn es entsprechend statisch dazu geeignet ist. Auch Fenster lassen sich beispielsweise im Rahmen einer Sanierung vergrößern, sodass mehr Licht ins Haus fällt. Doch im besten Fall wird das biophile Bauen schon bei der Planung angegangen, denn es ist allemal günstiger, direkt grün zu bauen, als später solche Änderungen einzubringen. Wer etwa ein Haus aus Holz bauen möchte, kann diese Veränderung nicht später erreichen.

Hohe Anforderungen an Naturmaterialien

Sollen natürliche Baustoffe verwendet werden, sollten diese auch regional produziert werden. Das gilt beispielsweise für Holz, das aus FSC-Forstwirtschaft stammen und nicht über weite Strecken transportiert werden sollte. Eine minimale Verarbeitung ist wichtig, um dem Anspruch an das biophile Bauen gerecht werden zu können. Zudem dürfen zur Konservierung des Holzes nur nachhaltige Farben und Lacke verwendet werden, damit es nicht zu giftigen Ausdünstungen und einer hohen Belastung von Mensch und Umwelt kommt. Die Wärmedämmung sollte ebenso mit natürlichen Materialien erfolgen. Die Bauforschung ist diesbezüglich weit fortgeschritten und es wird beispielsweise Hanf als natürliche Dämmung verwendet. Um das bestgeeignete Material zu finden, sollte mehr Zeit zur Vorbereitung des Bauvorhabens eingeplant werden. Außerdem ist es sinnvoll, sich mit Experten auszutauschen, die bereits im Bereich des biophilen Bauens tätig sind oder waren.

Organische Formen sorgen für Natürlichkeit

Das Material ist nicht allein maßgeblich für das spätere naturnahe Wohnen. Auch die Formen sind relevant: Organische Gebäudeformen verzichten auf Kanten und Ecken, sondern setzen vielmehr auf runde Formen. Sie sind typisch für die Natur und erwecken einen Eindruck von Weichheit und Harmonie. Ebenso wichtig ist dabei die Berücksichtigung des Lichts. Es soll teilweise intensiv sein, teilweise diffus, sodass es zu einer natürlichen Abwechslung kommt. Das Haus erinnert an die Atmosphäre in einem Wald oder zumindest unter Bäumen, wenn sich Licht und Schatten in der Intensität ändern. Um mehr Dynamik im Haus zu erreichen, bieten sich kleine Nischen und Ecken an, diese sollten jedoch nur genutzt werden, wenn der sie umgebende Raum groß genug ist.

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Autor: Veröffentlichung durch Stefan Oberhauser
Veröffentlicht in: Architektur
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