Neue Konzepte für das klimafreundliche Heizen sind gefragt. Dabei gibt es mittlerweile schon die Möglichkeit, ein Haus ganz ohne eigenes Heizsystem zu beheizen. Nach dem Vorbild der Thermoskanne entstehen neue und vor allem umweltgerechte Heizungen.

Neue Konzepte zur klimafreundlichen Heizung sind wünschswert (Bild: vicnt2815 / clipdealer.de)
Das Haus ohne Heizung ist kein Zukunftstraum mehr
Auch die Menschen, denen die Umwelt ganz besonders am Herzen liegt, wollen auf eine Sache nicht verzichten: auf ein warmes Haus. Das ist in Form eines Energiesparhauses mit einem ganz geringen Heizenergiebedarf ausgerüstet – dennoch bleibt dieser Bedarf bestehen. Doch ein Gebäude in der Nähe von Nürnberg hat nun gezeigt, dass es sogar ganz ohne Heizung möglich ist, in einem warmen Haus zu leben. Heizkörper oder andere Systeme werden nicht benötigt, um die Räume warm zu bekommen. Die Idee dazu stammt von der Thermoskanne, die für besagtes Haus als Vorbild diente.
Das ZiHaus bei Nürnberg
Der Architekt Hans-Günther Schwarz hat das ZiHaus in Altdorf entworfen. Damit ist der Ort nahe Nürnberg zum Vorreiter auf der Suche nach klimaneutralen Heizsystemen geworden. Das Prinzip zur Erwärmung des Hauses beruht auf der Technologie einer Thermoskanne, damit wird die Beheizung ganz anders als in klassischen Wohngebäuden vorgenommen.
Alles beginnt bereits bei den Wänden: Diese sind rund 75 cm stark und damit deutlich dicker als übliche Außenwände. Diese messen normalerweise nur etwa die Hälfte, da sie mit verschiedenen Materialien gedämmt werden. Die dicken Wände beim ZiHaus sorgen dafür, dass die Wärme im Gebäude bleibt und Kälte von außen nicht eindringen kann. Doch es kommt ein weiterer Punkt hinzu, der ebenfalls die Wände betrifft.
Das „Zi“ im Namen des Hauses steht für „Ziegel innovativ“, damit ist das Gebäude ein „Ziegelhaus“. Es werden Ziegelsteine verwendet, was per se nichts Neues ist. Schon seit Jahrhunderten werden Ziegel für das Bauen von Gebäuden benutzt. Nun auch für ein Haus ohne Heizung, wobei hier weitere innovative Ansätze genutzt werden.
Die althergebrachte Bautechnik wird mit modernen Techniken verbunden, so etwa die natürliche Wärmespeicherkapazität der Ziegelsteine auf der einen Seite und die Technologie der Photovoltaik auf der anderen. Auf dem Dach des Gebäudes wurden Solarmodule verlegt, die Dachziegeln ähneln. Der dort erzeugte Solarstrom wird in die Heizkabel unter dem Haus geleitet, diese befinden sich in einem großen Ziegelblock.
Dieser Block nimmt den gesamten Boden ein und misst somit exakt so viel wie der Fußboden des Gebäudes. Er ist ein echter Koloss und bringt etwa 70 Tonnen Gewicht auf die Waage. Die Heizkabel erwärmen sich durch den Solarstrom auf rund 40 °C, diese Temperatur gibt der Ziegelblock, in dem die Wärme gespeichert ist, langsam an die Räume ab. Per App kann diese Temperaturabgabe gesteuert und überwacht werden.
Auf die Details kommt es an
Das ZiHaus bietet rund 60 m² Wohnfläche, die auf die genannte Weise nachhaltig beheizt werden kann. Der Architekt will damit beweisen, dass es möglich ist, ein Gebäude ohne zusätzliches Heizsystem zu erwärmen und dafür nur die Energie zu nutzen, die die Sonne liefert.
Der Ziegelblock soll in der Lage sein, die Wärme über mehrere Wochen zu speichern, sodass die Beheizung auch dann noch funktioniert, wenn die Sonne mal nicht scheint. Schlechtes Wetter sowie die dunkle Jahreszeit sollen sich damit gut überbrücken lassen. Dies ist jedoch nur durch die dicken Außenwände möglich, die den Wärmeaustausch stark einschränken.
Vorbild waren hier frühere Bauten sowie Gebäude in südlichen Ländern. Dort ist es üblich, sich durch dicke Wände vor der Hitze zu schützen. Gleichwohl kann die Wärme in Häusern mit dicken Mauern von innen auch schlechter nach außen dringen. Zudem sind die Wände mit Holzfasern gefüllt, die eine zusätzliche und völlig natürliche Isolierung ermöglichen.
Wichtig ist in dem Zusammenhang auch das Dach, denn es muss mit Dämmziegeln gebaut werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Wärme nicht einfach über die Gebäudehülle entweichen kann. Hierbei ergibt sich allerdings ein Problem: Das Gewicht der gesamten Konstruktion wird sehr hoch. Somit sind stützende Stahlträger nötig, um dafür zu sorgen, dass das Dach nicht einbricht.
Individuelles Wohnen auch im Alter dank moderner Konzepte
An moderne Gebäude werden vielfältige Anforderungen gestellt. Unter anderem sollen sie günstig zu errichten sein, wenig Energie verbrauchen und auch im Alter noch genutzt werden können. Am besten sind die Räumlichkeiten auch noch wandelbar, sodass weniger Wohnfläche nötig wird.
Genau diese Ansprüche werden beim ZiHaus erfüllt. Dieses soll zur Beantwortung der Frage führen, ob ein Gebäude mit weniger Baumaterial als üblich errichtet werden kann und dennoch die gleiche oder sogar noch eine bessere Heizleistung als mit konventionellen Heizsystemen ermöglicht.
Im Modellhaus wurde zum Beispiel der gesamte Wohnraum barrierefrei gestaltet, außerdem kann sich ein Zimmer per Knopfdruck verwandeln. Aus dem Konferenzzimmer wird dann ein Schlafzimmer.
Weitere Heizkonzepte werden getestet
Wer beim Heizen sparen möchte, ist sicherlich bereit, auch Kompromisse einzugehen. Doch genau die sind beim ZiHaus gar nicht nötig und es ist möglich, alles sehr individuell zu gestalten. Allerdings befindet sich dieses Haus, das allen Ansprüchen an das altersgerechte Wohnen gerecht wird, noch in der Testphase.
Der Architekt ist jedoch zuversichtlich und geht davon aus, dass schon bald ähnliche Konzepte folgen werden. Eines dieser neuen Heizkonzepte setzt zum Beispiel auf Karbonfarbe, die wie folgt funktioniert:
- Heizfarbe besitzt integrierte Kohlenstoffpartikel und damit elektrische Leitfähigkeit
- Oberflächen, auf die die Farbe aufgetragen wird, erhitzen sich
- beliebig viele Wandflächen zum Beheizen nutzbar
- Auftrag auf Trockenbauplatten möglich
- keine zusätzlichen Heizkörper nötig
Bisher wird das Konzept der Heizfarbe noch eher theoretisch betrachtet und es sind nur wenige Bauherren, die es testen. Meist wird die Farbe als Zweitheizung verwendet, doch sie erweist sich schon jetzt als gute Möglichkeit, um eine unabhängige Versorgung mit Wärme zu gewährleisten.
Das Prinzip der Heizfarbe kann auch mit dem Heizkonzept des ZiHauses kombiniert werden, bei dem noch nicht einmal Strom aus dem öffentlichen Netz nötig ist. Damit wird das Wohnen komplett unabhängig, was auch in Regionen, die schwer erschlossen werden können, sinnvoll ist.
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