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Der richtige Ablauf bei Fliesenprojekten

Viele Bau- und Sanierungsprojekte beginnen mit der Notwendigkeit, alte Fliesenbeläge zu entfernen und anschließend neue Fliesen sauber zu verlegen. Ob im Bad, der Küche oder dem Wohnbereich: Fliesen sind robuste, pflegeleichte Beläge, die bei fachgerechter Ausführung viele Jahre zuverlässig ihren Dienst tun. Entscheidend für ein langlebiges Ergebnis ist nicht allein das Verlegen der neuen Fliesen, sondern ein durchdachter, systematischer Ablauf von den Vorarbeiten über die Untergrundvorbereitung bis hin zur eigentlichen Verlegearbeit.

Fliesenleger trägt Fliesenkler am Boden auf

Mit dem richtigen Ablauf zum perfekten Ergebnis (Bild: ginasanders / clipdealer.de)

1. Abbruch alter Beläge und Untergrund vorbereiten

Der erste Schritt eines Fliesenprojekts besteht meist darin, den alten Belag zu entfernen. Hierbei werden zunächst die Fliesen abgeschlagen und entsorgt, anschließend sind oft noch Fliesenkleberreste auf dem Untergrund vorhanden. Zur Vermeidung von Problemen muss der vorhandene Fliesenkleber fachgerecht entfernt werden, denn nur ein sauberer Untergrund gewährleistet die Haftung des neuen Belags.

Nach der Entfernung der alten Beläge gilt es, den Untergrund systematisch zu prüfen. Er muss fest, tragfähig und eben sein. Je nach Material – sei es Beton, Estrich oder Holz – gelten unterschiedliche Anforderungen und Vorbereitungen, die es zu berücksichtigen gilt.

Auf sandigen oder nicht tragfähigen Flächen müssen lose Partikel abgetragen und Unebenheiten ausgeglichen werden. Kleine Unebenheiten können mit spezieller Spachtelmasse ausgeglichen werden, größere Unregelmäßigkeiten mit einer Ausgleichsmasse. Ein sauber vorbereiteter Untergrund ist die Basis für eine dauerhafte Verlegung und beugt Hohlstellen sowie Rissen vor.

Ein gut vorbereiteter Untergrund kann auch geprüft werden, indem er befeuchtet wird: Sinkt dunkle Feuchtigkeit ins Material ein, hat es eine hohe Saugfähigkeit und muss entsprechend vorbehandelt werden. Grundierungen schaffen einen gleichmäßig saugenden Untergrund, der die Haftung des Fliesenklebers verbessert.

2. Planung und Materialauswahl

Während die handwerklichen Vorarbeiten anstehen, lohnt es sich, bereits eine detaillierte Planung des Fliesenprojekts vorzunehmen. Dazu gehört die Auswahl geeigneter Fliesen, die zu Raumgröße, Belastung und Nutzung passen. Keramikfliesen – etwa aus Steinzeug oder Feinsteinzeug – sind weit verbreitet und unterscheiden sich unter anderem in Wasseraufnahme, Abriebklasse und Frostbeständigkeit. Große, stark beanspruchte Fliesen benötigen andere Produkte als kleinere Wandfliesen.

Ebenso wichtig ist die Auswahl des passenden Fliesenklebers. Flexkleber mit Prüfnorm C2 S1 etwa ist für die meisten Bodenbeläge die richtige Wahl, da er den Anforderungen nach deutscher Norm entspricht und die nötige Haftung bietet.

Bevor der erste Kleber angerührt wird, sollte außerdem die genaue Lage der Fliesen festgelegt werden. Dabei kann es sinnvoll sein, zunächst lose ein paar Musterfliesen auf dem Boden oder an der Wand auszulegen, um spätere Überraschungen zu vermeiden. Eine durchdachte Planung spart Zeit und verhindert kostspielige Fehler.

3. Untergrundbehandlung und Abdichtung

Nachdem der Untergrund sauber, eben und tragfähig ist, stehen wichtige Maßnahmen zum Schutz gegen Feuchtigkeit und zur Verbesserung der Haftung an. Insbesondere in Nassräumen wie Badezimmern oder Duschbereichen wird eine Verbundabdichtung empfohlen. Dabei handelt es sich um eine Abdichtung, die unmittelbar mit dem späteren Belag verbunden ist und so ein Eindringen von Wasser in die Bausubstanz verhindert. Diese Abdichtung ist insbesondere dort wichtig, wo Feuchtigkeit langfristig wirken kann, beispielsweise an Wänden hinter Waschbecken oder im Bereich von Duschen.

Im Anschluss an eine etwaige Abdichtung sollte der Untergrund grundiert werden, um eine gleichmäßige Saugfähigkeit zu erreichen. Dies verbessert nicht nur die Haftung des Fliesenklebers, sondern sorgt dafür, dass dieser in der richtigen Zeit verarbeitet werden kann und nicht zu schnell austrocknet. Auch bei sehr glatten Flächen – etwa wenn bereits Fliesen vorhanden waren – hilft eine Grundierung, die Haftung des neuen Klebers zu steigern.

4. Verlegen der Fliesen

Beim Verlegen selbst gilt es, sorgfältig und systematisch vorzugehen. Der Fliesenkleber wird nach Packungsangabe angerührt und mit einer Zahnkelle in gleichmäßigen Bahnen auf den Untergrund aufgetragen. Durch die Zahnung entsteht ein gleichmäßiges Kleberbett, in dem die Fliesen später sicher verlegt werden können. Dabei sollte nur soviel Kleber aufgetragen werden, wie in kurzer Zeit verarbeitet werden kann, da der Kleber sonst zu schnell antrocknet.

Hilfsmittel wie Fugenkreuze erleichtern das präzise Einhalten gleichmäßiger Fugenabstände zwischen den Fliesen. Diese Abstandshalter werden in die noch nicht ausgehärtete Kleberschicht gedrückt und nach dem Antrocknen wieder entfernt, bevor verfugt wird.

Bei der Wahl des Verlegeverfahrens unterscheidet man verschiedene Techniken wie das Buttering-Floating-Verfahren, bei dem der Kleber sowohl auf den Untergrund als auch auf die Fliesenrückseite aufgetragen wird, um eine besonders gute Verbindung zu erzielen. Solche Verfahren sind beispielsweise nach DIN 18157 beschrieben und spielen vor allem bei anspruchsvollen Belägen eine Rolle.

5. Verfugung und Abschlussarbeiten

Ist der Fliesenkleber ausgehärtet, beginnt der nächste Arbeitsschritt: das Verfugen. Hierbei wird Fugenmörtel in die Fugenräume eingebracht und anschließend glattgezogen, sodass eine geschlossene, dichte Fläche entsteht. Überschüssiger Mörtel wird mit einem Fugengummi oder einem geeigneten Schwamm entfernt.

Bei Abschlusskanten oder Übergängen zu anderen Belägen kann es sinnvoll sein, Profile oder Dichtungsbänder einzusetzen, um Kanten vor mechanischen Einflüssen und Feuchtigkeit zu schützen. Abschließend können Silikonfugen an Ecken und Kanten das Gesamtbild abrunden und gleichzeitig flexibel abdichten.

Mit diesem strukturierten Ablauf – von der Vorbereitung über Planung und Untergrundbehandlung bis hin zum präzisen Verlegen und Verfugen – schaffen Sie die Grundlage für ein Fliesenprojekt, das sowohl optisch als auch funktional überzeugt.

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Autor: Veröffentlichung durch Stefan Oberhauser
Veröffentlicht in: Hausbau
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